15.08.2025 08:21
Tierschutz – ein Segen für Vögel
Seit der Tierschutz Rorschach und Umgebung für das Wohl der «geflügelten Bewohner» der Stadt Arbon verantwortlich ist, zeigt sich die Voliere im Stadtpark von einer anderen Seite. Nach einer kompletten Sanierung des über 100-jährigen Gebäudes und der Fürsorge von Tierpfleger Claudio Eicher dürften Beschwerden von menschlicher und tierischer Seite der Vergangenheit angehören.
Arbon Paradiesvögel gibt es keine in der Voliere der Stadt Arbon. Doch seit Ende letzten Monats herrschen zumindest paradiesische Verhältnisse in der wohl bekanntesten Voliere der Region. Massgeblichen Anteil an der modernisierten und artgerechten Volière hat Claudio Eicher, Präsident des Tierschutzvereins Rorschach und Umgebung: «Unser Verein hat sich bereit erklärt, die Voliere zu betreuen. Die Stadt hat die Verantwortung für das Gebäude, ich für die Vögel.»
Dies sei eine super Lösung für alle Beteiligten, denn sei so nicht nur für das Wohl der Vögel gesorgt, sondern man habe als Tierschutzverein auch einen Ort, um abgegebene Vögel unterzubringen. «Die meisten Vögel, die zu uns gebracht werden, sind nicht im besten Zustand. Deshalb haben wir im hinteren Teil der Voliere noch ein weiteres Gehege, um Neuankömmlinge aufzupäppeln», sagt Claudio Eicher.
Umfassende Erneuerung
Nebst diversen Renovationsarbeiten im Innen- und Aussenbereich gibt es neu auch eine Futterküche im hinteren Teil der Voliere. Und auch die hygienischen Bedingungen wurden deutlich verbessert, da es eine Chlamydieninfektion eines Vogels im Herbst 2024 war, die erst zur vorübergehenden Schliessung und umfassenden Erneuerung der Anlage für rund 55'000 Franken führte. So wurde, wo immer möglich, Holz mit Dibond-Platten ersetzt, um eine schnelle und gründliche Reinigung der Anlage zu ermöglichen.
Ein Mysterium bleibt jedoch weiterhin, wie es überhaupt zur Chlamydieninfektion in der Voliere kommen konnte. «Chlamydien sind hochansteckend. Es gab bei uns nur einen Fall – und dies bei einem Vogel, der schon längere Zeit hier war», erzählt Claudio Eicher.
Als ausgebildeter Tierpfleger hat sich Claudio Eicher das Grundwissen über die Pflege von Vögeln angeeignet, als ausgesprochener und langjähriger Vogelfreund besitzt er aber auch viel Spezialwissen: «Seit ich klein bin, habe ich mich immer um einen oder zwei Nymphensittiche gekümmert. Darum bin ich nun der Typ für Vögel in der Region.» Zusätzliches Wissen habe er während zweier Jahre auf einer Papageien-Auffangstation sammeln dürfen. Deshalb nimmt der Präsident des Tierschutzvereins Rorschach und Umgebung auch nicht die Tierschutzverordnung als Massstab für das Wohl der gefiederten Arboner Exoten, sondern seine eigenen Erfahrungswerte. «Die Voliere könnte nach Vorgaben des Tierschutzes rund 250 Vögel beheimaten. Man könnte die Vögel also fast stapeln», meint Claudio Eicher. Erlaubt wären 40 Vögel im linken, abgetrennten Drittel, wo zurzeit fünf haltungsbewilligungspflichtige Halsbandsittiche zu Hause sind, und sage und schreibe 217 Vögel im grossen Abteil, wo zurzeit 32 Wellensittiche und Nymphensittiche sowie ein Stanley- und ein Rotflügelsittich wohnen.
Win-win-Situation
Dass Claudio Eicher sich um die gefiederten Tiere in der Arboner Voliere kümmert, ist für alle Beteiligten ein Gewinn. Dass er sich vor einigen Jahren mit einem Facebook-Post, der die damaligen Verhältnisse in der Voliere kritisierte, selbst ins Spiel für die Pflege der Vögel brachte, bereut der Tierfreund darum nicht: «Wenn du etwas selbst besser machen könntest, dann solltest du es nicht nur beanstanden.»
Und dass Claudio Eicher es besser macht, ist von allen Seiten zu hören. Darum darf wohl damit gerechnet werden, dass noch einige weitere Vögel in die renovierte Voliere in Arbon einziehen werden – jedoch garantiert nicht so viele, wie laut Tierschutz möglich wären. Doch Vögeln, die Hilfe bräuchten, müsse die Hand geboten werden. Ob diese aus dem Kanton St.Gallen oder dem Kanton Thurgau kämen, spiele keine Rolle – im Tierschutz gebe es keinen Kantönligeist: «Bei uns gibt es kein Gegeneinander, sondern nur ein Miteinander. Denn es geht uns immer um das Wohl der Tiere.»
Von David A. Giger